an der Universität Augsburg

Erinnerungsgeschichte von Flucht und Vertreibung

Erinnerungsgeschichte von Flucht und Vertreibung

1.)    Handbuch der Medien und Praktiken

Die Zwangsmigration der Deutschen am Ende und in der Folge des Zweiten Weltkrieges, die ca. zwölf Millionen Menschen aus den östlichen Provinzen Deutschlands und den östlichen Nachbarländern betraf, beschäftigt seit ihrem Beginn die deutsche Öffentlichkeit. Bis heute erinnern und debattieren Vertriebenenverbände, Historiker, Parteien und Medien über das historische Ereignis, das im deutschen Sprachraum zumeist unter der Chiffre ‚Flucht und Vertreibung’ verhandelt wird. Auch Kulturschaffende – Schriftsteller, Regisseure, bildende Künstler – speisen ihre Deutungen des Ereignisses, das auch die Aufnahmegesellschaft grundlegend verändert hat, in den Erinnerungsdiskurs ein. Dazu kommen von den Betroffenen gestaltete Erinnerungsorte und -mittel. In der Bundesrepublik entwickelte sich so eine reichhaltige und heterogene Erinnerungskultur, die von unterschiedlichen Akteuren ausgestaltet wurde, diverse Ausdruckformen fand und verschiedene Phasen der Intensität erlebte. Seit den 2000er Jahren ist auf verschiedenen Ebenen ein regelrechter Erinnerungsboom zu beobachten. Gleichzeitig offenbarte sich in dieser Phase eine große öffentliche Unkenntnis hinsichtlich der Geschichte der öffentlichen Erinnerung an das Thema ‘Flucht und Vertreibung’. Von manchen wurde es sogar rückwirkend – und den Tatsachen vollkommen widersprechend – zu einem Tabuthema erklärt. Der geplante Band soll erstmals einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Erinnerungsformen an ‘Flucht und Vertreibung’ geben.

2.)    Rundfunkgeschichten von „Flucht und Vertreibung“

Bis Ende der 1950er Jahre war das Radio das Leitmedium in der Bundesrepublik und in der DDR. Der Hörfunk spielte, flankiert von Zeitungen und Zeitschriften, eine wesentliche Rolle für die Initiierung und Austragung gesellschaftlicher Debatten und die Herstellung einer problemzentrierten Öffentlichkeit. Entsprechend hoch ist die Bedeutung des Hörfunks für die Nachgeschichte von „Flucht und Vertreibung“ einzuschätzen – sowohl für die konkrete (sozial-)politische Ebene als auch für die erinnerungskulturelle Dimension. Erstaunlicherweise sind aber die „Rundfunkgeschichten von ‚Flucht und Vertreibung‛“ kaum erforscht. Ein für Juni 2015 geplanter Workshop mit Experten soll erstmals die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung dieses Themenkomplexes lenken. Es sollen hierzu aktuelle Forschungsergebnisse zusammengetragen und miteinander konfrontiert werden. Vor dem Hintergrund des Forschungsstandes sind den Organisatoren drei Aspekte wichtig: 1.) die gleichwertige Einbeziehung von BRD- und DDR-Hörfunk, 2.) der Rückbezug auf Archivmaterial in den Rundfunkarchiven und 3.) die Vernetzung der bislang wenigen Wissenschaftler, die zu diesem Thema arbeiten, untereinander, sowie mit den Praktikern aus den Rundfunkarchiven.

Kategory: Forschungsprojekte, Jun.Prof. Dr. Maren Röger