an der Universität Augsburg

Nachruf auf Prof. em. Dr. Kurt Rein

Prof. em. Dr. Kurt Rein (Mitte) zu Besuch bei der Bukovina Society of the Americas in Ellis, Kansas (USA) in den 1990er Jahren (Quelle: Archiv SOD).

 

Das Bukowina-Institut trauert um Prof. em. Dr. Kurt Rein

Am 23. August 2018 ist Prof. em. Dr. Kurt Rein im Alter von 86 Jahren in Baldham bei München verstorben. Sein Tod hat uns in tiefer Trauer zurückgelassen. Prof. em. Dr. Kurt Rein war Gründungsmitglied und langjähriges Vorstandsmitglied des Bukowina-Instituts. Über viele Jahre hinweg prägte er die Arbeit des Instituts maßgeblich mit. In den 1990er Jahre leitete er ein sehr bedeutendes Forschungsprojekt über die Bukowiner in Amerika und regte zudem zahlreiche weitere Aktivitäten an. Auch später blieb der dem Institut als Vereinsmitglied eng verbunden. 2015 veröffentlichte der Sprachwissenschaftler über das Bukowina-Institut eine Sammlung bukowinischer Mundartproben, die auf großes Interesse bei den Bukowina-Deutschen und ihren Nachkommen stieß. Prof. em. Dr. Kurt Rein war ein bedeutender Bukowina-Forscher. Wir behalten ihn in dankbarer Erinnerung. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen.

Das Bukowina-Institut an der Universität Augsburg

 

Dem südosteuropäischen Sprachklang auf der Spur

Nachruf auf den Sprachforscher Prof. em. Dr. Kurt Rein

von unserem Vereinsmitglied Halrun Reinholz

Er war sein ganzes Leben lang mit Leidenschaft Bukowiner, obwohl er seine Heimatlandschaft  bereits im Kindesalter verlassen hatte. 1932 kam Kurt Rein in Fratautz auf die Welt, die Umsiedlung der Buchenländer führte seine Familie in die Oberpfalz. Der südöstliche Sprachklang begleitete ihn auch in der neuen Heimat, als er sich schließlich entschloss, sich ihm auch beruflich zu widmen. Ausschlaggebend für sein Engagement für Dialektologie war der siebenbürgische Sprachforscher Karl Kurt Klein, der den studierten Germanisten für die Mitarbeit am siebenbürgisch-deutschen Sprachatlas gewinnen konnte. Das gab den Ausschlag für die Beschäftigung mit weiteren deutschen „Sprachinseldialekten“ – aus der Bukowina, aber auch aus dem Banat, in Ungarn, dem Sathmarer Land und in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er engagierte sich im Südostdeutschen Kulturwerk und half im Rahmen seiner Möglichkeiten mit, die wissenschaftliche südostdeutsche Sprach- und Literaturforschung bekannt zu machen.

Statt der klassischen „Sprachinselforschung“ stand im Fokus von Prof. Kurt Rein die „Kontaktlinguistik“, die moderne Ansätze in die bis dahin eher herkunftsbezogene Erforschung der „Sprachinseln“ brachte. Seine Habilitation widmete sich der isoliert lebenden religiösen Gruppe der Hutterer in den USA, die ursprünglich aus Tirol stammte und als „mobile Sprachinsel“ über Mähren, Siebenbürgen und Wolhynien in die englischsprachige Umgebung gekommen war. Mit ähnlichen Fragestellungen richtete er sein Augenmerk aber auch auf die südostdeutschen Siedlungsgebiete. Auf seinen Rumänienreisen Anfang der 1970er Jahre knüpfte er Kontakte zu den einschlägigen Lehrstühlen und zu den Kulturschaffenden der deutschen Minderheit. An der Temeswarer Germanistikfakultät lernte er die Arbeiten von Johann Wolf und Peter Kottler zu den banatschwäbischen Dialekten kennen und unterstützte sie im Rahmen seiner Möglichkeiten und der damaligen Rahmenbedingungen. Auch die zarte Pflanze moderner Banater Dialektliteratur, die sich seit den 1970er Jahren im Temeswarer Literaturkreis Adam Müller-Guttenbrunn und mit aktiver Mitwirkung von Nikolaus Berwanger bemerkbar gemacht hatte, faszinierte den Dialektologen und er vermittelte Berwanger zu den regelmäßig stattfindenden Treffen für (österreichische) Dialektliteratur im burgenländischen Mattersburg. Als Ordinarius des Lehrstuhls für Didaktik der deutschen Sprache an der LMU München betreute er immer wieder Studierende und Doktoranden (auch aus Temeswar), die zu einschlägigen Themen des südostdeutschen Sprachgebrauchs forschten.

Der Bukowiner  war lange Jahre im Vorstand des Südostdeutschen Kulturwerks sowie Mitbegründer und Präsident der Raimund-Friedrich-Kaindl-Gesellschaft, die sich um das Buchenländer Kulturerbe verdient gemacht hat. Er war aktiver Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied des Augsburger Bukowina-Instituts. Sein Bukowiner Erbe konnte er für seinen Lehrstuhl aber auch auf ganz andere Weise nutzen, als sich in den 70er und 80er Jahren die sogenannte „Gastarbeiterproblematik“ in den Schulen bemerkbar machte. Er wusste aus eigener Erfahrung, dass Individuen mehrere Sprachen oder Sprechweisen selbstbewusst und differenziert nutzen können. Deshalb lehnte er die damals noch vielfach vertretene Forderung nach unbedingter sprachlicher Assimilation der Migrantenkinder ab und gründete an seinem Lehrstuhl den Studiengang „Didaktik des Deutschen als Zweitsprache“. Mit dem gleichen Ansatz engagierte er sich in Ungarn, als dort noch vor der politischen Wende eine Aufwertung des muttersprachlichen Deutschunterrichts erfolgte und konkrete didaktische Hilfestellung erwünscht war. Für seine Verdienste dafür erhielt Prof. Rein die Ehrendoktorwürde der Budapester Universität.

Auch die nachlassenden Kräfte nach dem Tod seiner Frau hielten ihn nicht davon ab, sich im Trägerverein des Bukowina-Instituts weiterhin aktiv einzubringen. Sein letztes verwirklichtes Projekt war die Veröffentlichung  von Sprachproben Bukowiner Dialekte über das Bukowina-Institut. Die Absicht, seine Erinnerungen nieder zu schreiben, konnte Rein nicht mehr verwirklichen. Am 23. August 2018  ist Prof. Kurt Rein im Alter von 86 Jahren in Baldham bei München verstorben.

Halrun Reinholz

Einen ausführlichen Nachruf von Frau Reinholz finden Sie hier.